Fluch oder Segen?

Ein Satz im Siegerinterview in Herford war für mich irgendwie alles sagend: „Unsere Brötchen werden in der Woche verdient“. Diese Worte von Thomas Hannöver beschreiben es treffend, obwohl ich mich in der glücklichen Lage sehe auch Aufschnitt zu den Brötchen zu verdienen. Die Master-Klassen stellen mittlerweile im Cross Bereich mit Abstand die größten Starterzahlen und einige „Rentner“ haben auch schon für reichlich Rennnachwuchs gesorgt (Lindenau, Wittwer, Karrasch etc.) Auch bei dieser Deutschen Meisterschaft in Vechta waren die Master wieder zahlreich vertreten. Dies heißt nicht Cyclocross ist „alt“, sondern die Master gehen mit der Zeit bringen die neueste Technik ins Gelände und bieten spannende Wettkämpfe.

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Die Stadt Vechta hatte vor dem Start bestimmt etwas Puls, denn mit Blitzeis, Schnee, Regen und überfrierender Nässe ist jeder Veranstalter kurz vom dem Herztod. Sie haben es aber perfekt gemeistert und dann kam auch die Sonne zum Entzücken der zahlreichen Zuschauer zu den Rennen raus. Bereits am Samstag nahm ich die Strecke bei einigen Proberunden unter die Räder, wohlwissend dass Wetteränderungen die Strecke erheblich beeinflussen konnten. Zuversichtlich sah ich dem Renntag entgegen, wo es eigentlich nur ein Ziel geben konnte: Gebt mir endlich das Meistertrikot.

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Am Sonntag kam es dann pünktlich um 13:15 Uhr zum Showdown der Master 2-Helden. Ein potentieller Anwärter musste leider aus der letzten Reihe starten, so dass die Karten unter uns Vier aufgeteilt werden sollten. Die Strecke war durch das Tauwetter und die zahlreichen Rennen schwerer geworden. Der Reiterplatz war wie ein Anker, der einen nicht loslassen wollte und die Kurven im Wald waren tief und bis zu den Wurzeln runtergerockt. Mein Start war Scheiße, was aber nach der Abfahrt und der Treppe wieder zurechtgeschüttelt war. Danach begannen 40min. Psychoterror mit wechselnden Akteuren.

Zunächst warf der Lokalmatador Thomas alles nach vorne und zog das Feld von 65-Mann in die Länge. Danach durfte ich etwas führen, bevor Ralph Berner und danach Vladi Riha das Tempo forcierten. Ich war stets auf der Höhe der Ausreißer. Während wir kurzzeitig mit Riha ein Loch hatten, war dies im Nachgang auch sein Verderben, denn nach Materialdefekt war Vladi raus aus den Medaillen. Nun ging es zu Dritt im Tiefflug weiter. Zwei Runden vor Schluß versuchte ich mit einer Attacke am Berg eine Vorentscheidung herbeizuführen. Dies scheiterte aber an mir selber, denn ich schaffte es an diesem Tag nicht das Tempo hoch genug zu halten. Das kalte Spritzwasser auf der Pferdebahn war wie eine Bremse für mich.

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In der letzten Runde musste nun die Entscheidung her. Ralph war schon etwas zurückgefallen, so dass es nun zwischen dem Brötchenverdienenden Thomas und dem Brötchen- und Aufschnittverdiener  Dano zur Entscheidung kommen sollte. Die Massen standen an jeder Kurve, die Trommler pfefferten alles auf die Bespannung und alle feuerten uns an. Von vorne fuhr ich auf die letzten Hürden zu, nahm den letzten Laufanstieg, bog als erster auf den Radweg und wurde hier auf den letzten Zentimetern von Thomas ausgebremst. Sportlich fair, aber ein Arschlochsportler hätte die Tür zugemacht. Danach gab es keine Möglichkeit mehr für mich zu Überholen, so dass es erneut der Deutsche Vizemeistertitel wurde.

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Nun kam man über Fluch oder Segen diskutieren. Ich kann nur Max Lindenau als U23-Sportler als Vorbild nehmen, der noch knapper den Vize-Titel eingefahren hat und danach den Sieger in den Arm nahm und sich über den zweiten Platz freute. Die Hamburger Fahrer von Bergamont oder Stevens sind halt die geilsten Sportler, egal ob Meister oder Vize. Hier wird Radsport gelebt und wir alle haben Bock auf den Sport und wollen spannende Rennen. Das ist das was uns auszeichnet. Meinen Glückwunsch an Thomas Hannöver: Du hast zwar mein Trikot an, wenn Du Dich aber benimmst, darfst Du es ein Jahr tragen!

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