Die Trilogie des Matsches

Eigentlich rechnet man immer damit, aber es freut einen wenn es nicht kommt. Wie mit der Steuernachzahlung ist es auch mit dem schlechten Wetter und dem norddeutschen Matsch. Keiner hat ihn vermisst und nun ist er da  und zwar in seiner vollen Vielseitigkeit und Hartnäckigkeit.

Der Kieler Flüssigmatsch zeigte sich beim Stevenscup mit fließender Wucht. Irgendwelche Zwerge, kleine Strolche, verwöhnte Gören oder coole Kids hatten einfach einen Bachlauf aufgestaut und auf die Rennstrecke geleitet. So hatte man nach dem Start erst mal richtig nasse Füße und die Kette kreischte um Gnade. Diese gab es nicht den Jannick Geisler war schon enteilt und Tim Rieckmann und ich wollten den Anschluss schaffen.

Wir gaben richtig Gas und schenkten uns nichts, so dass Jannick wieder in Sichtweite kam. Zur Rennhälfte nutzte ich den langen Anstieg um Tim abzuhängen und evtl. zum Führenden aufzuschließen. Leider machte ich ein paar Fahrfehler, so dass es nach vorne nichts wurde und ich eher nach hinten schauen musste. Es reichte dann aber doch zum zweiten Rang. Um mich herum standen die beiden anderen Jungs, auch etwas dreckig, aber zufrieden, denn so schlimm war es dann doch nicht.

Der Bad Doberaner Brockendreck klebte an den Rädern bereits eine Woche später. Ehrlich gestanden hatte der Dauerregen der bekannten Strecke wenig ausgemacht, denn nur an einigen Anstiegen war Grip kaum noch zu finden. An Position 5 ging ich ins Gelände, während Tim Rieckmann und Jan Büchmann schon mächtig am Horn zogen. Mein Mann von Bergamont, Marc, meinte nach dem Rennen: Man sah schon in der ersten Runde, dass Du kein Bock hattest.

Harte Worte, denn lange hielt ich den Rückstand konstant, bevor mir die Jungs richtig einen einschenkten. O.k, der Wille war gebrochen, ich lag zweimal im Matsch und meine treuesten Fans zwängten mir ein Gespräch auf, weshalb man schnell ein paar Minuten verlieren kann. War dennoch zufrieden am Ende doch noch aufs Treppchen gerutscht zu sein, denn bei dem Sauwetter wäre ich sonst keinen Meter gefahren.

Der Neumünsteraner Schneematsch war die Krönung des Dreckes. 5cm Schnee auf einem lockeren Waldboden mit einigen Laubpassagen hat wirklich Driftpotential. Ohne Luftdruck und mit viel Profil hatte man teilweise kaum die Gewalt über sein Rad. Die Temperatur um den Gefrierpunkt und die dicke Kleidung machten da einen auch nicht beweglicher. So saß ich auf dem Rad wie der Michelin-Mann mit einem Korb voller roher Eier.

Erneut erwischte ich einen matschigen Start, so dass ich sofort in der Defensive war. Als ich dann freie Fahrt hatte, waren Jannick und Tim schon weit genug weg um vor mir sicher zu sein. Ich hingegen hatte einen Jungspunt am Hinterrad, der mich nicht einfach aufs Podest lassen wollte. Er hatte sogar den Mut mich zu überholen. Nun kam aber doch das Rennfahrerherz zurück aus der warmen Trikottasche. Kurz vor Ende des Rennens zwang in ihn in der Matschpassage zurück auf Platz 4. Na das habe ich ja gerade noch verhindern können, dass mich ein 20 Jahre jüngerer Fahrer überholt.

Nächste Woche geht es um die Norddeutsche Meisterschaft in Bremen. Bin gespannt auf den neuen Kurs. Fotos gibt es übrigens erst wieder, wenn das Wetter nicht matschig ist.