Vattenfall Cyclassics

Wir sind auf dem Weg nach Olympia und das nicht nur weil der HSV und St.Pauli gewonnen haben, sondern weil die schönste Stadt Deutschlands bei einer Radrennübertragung eine sehr gute Figur macht. So genoß ich das Weltcuprennen, wo der André seinen Sprint souverän gewann, vorm Fernsehen anstatt wie der Rest der Bevölkerung am Streckenrand zu stehen. Entschuldigt mein Fehlen am Waseberg, aber auf der Couch war es so schön.

Bevor ich aber auf dem Sofa zum Erliegen kam, war auch für mich etwas Sport angesagt. 155km entsprachen zwar 161km, aber im Kalkulieren waren die Hanseaten in den letzten Jahren nie so toll, was mir im Rennen aber nicht auffiel. Um 8:20 Uhr startete ich mit 500 Leuten aus Block A durch die Hafencity Richtung Köhlbrandbrücke. Das Tempo war wie immer: schnell fahren um dann mit einer Vollbremsung die Sinne der Fahrer aufzuwecken. Hatte sich aber alles schnell eingeschwungen und es ging relativ zivilisiert in den Anstieg. Obwohl ich nicht wollte, zog ich doch das Tempo an der Brücke an, oder wurden die anderen nur langsamer? Egal, denn flüchten, wie zwei andere Weggefährten, wollte ich nicht.

So ging es dann in schönem Tempo in die Harburger Berge, wo meine erste Trinkflasche wartete (Danke Rexe) um dann weiter durch das niedersächsische Hinterland nach Buchholz und Jesteburg zu fahren. Insgesamt war es eine angenehme Schleife, da das Wetter toll war und viele Leute an der Strecke standen, und das obwohl die Profis die südliche Schleife gar nicht fuhren.

Nach 90km ging es dann erneut über die Köhlbrandbrücke. Erneut ließen alle Ihre Beine hängen, so dass 19345 Leute bei mir im Windschatten fuhren. Wenn eine Person im Windschatten ca. 5% an Energieeinsparung für den Vordermann bewirkt, dann hätte ich theoretisch bei einem Krafteinsatz für 25km/h mit ca. 24.181 km/h über die Kuppe bügeln können und wäre dann ins Ziel geflogen. Da dies nicht so war, stelle ich auch die Theorie mit dem Windschatten und so in Frage.

Mir ist bei der ganzen Runde aufgefallen, dass die Veranstalter sich wirklich Gedanken um die Streckenführung im Detail gemacht haben. Scharfe Kurven wurden, so weit wie möglich, durch den Wechsel von Fahrbahnseiten, vermieden. Es gab keine Begegnungen mit anderen Starterfeldern und auch die Zieleinfahrt war ohne dramatisches Zusammentreffen zweier Geschwindigkeitswelten (55km-Runde = 25km/h; 155km-Runde = siehe oben 24.181Km/h).

Bevor es aber für uns ins Ziel ging, war noch die Schnelsener-Pinneberger-Wedeler-Elbhang-Runde zu drehen. Diesmal ließen die anderen nicht die Beine hängen, als ich am Kösterberg mal den Bergfloh machte. Schnell hatte ich eine Lücke und ich schoß in die Blankeneser Landstraße. Mir war natürlich klar, dass ich alleine gegen den Wind null Chance habe allein ins Ziel zu kommen. Dennoch gönnte ich mir den Spaß. Danach ging es dann gemeinsam dem Ziel entgegen. Wir hatten Jahre, wo die Zielankunft wirklich chaotisch war. Dieses Jahr war sie relativ schnell und wohl auch deshalb ohne große brenzliche Situationen. Schon am Rödingsmarkt fuhren wir in Einerreihe mit kleinen Lücken Richtung Mönckebergstrasse.

Ich habe überhaupt nicht mit einem Sprint für mich selber gerechnet, da es in der Vergangenheit eher ums nicht stürzen ging, so hob ich meinen Arsch nicht mal aus dem Sattel. Ich fuhr mein hohes Tempo bis zum Ziel durch und versenkte somit einige Leute, bei denen die Beine schwer wurden. Mit einer Sekunde Rückstand auf Daniel Knyss kam ich als 5. Overall und zweiter Senior 2 ins Ziel. Da war selbst ich sprachlos, denn mit dem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Habe mich wirklich gefreut in meiner Stadt vorne dabei gewesen zu sein. Insgesamt war die Jubiläumsausgabe der Cyclassics mit die beste Auflage.

Das nächste Wochenende haben André Zamponi, Torben Saßnick und ich ein Männerwochenende. Es geht bereits am Freitag nach Altenau zum Malzbiertrinken um dann am Samstag den Endurothon in Schierke zu bestreiten. Werde damit mein Versprechen brechen dort nie wieder zu fahren, aber wer nett fragt und mir eine Dusche organisiert, den darf man dann auch nicht hängenlassen. Wir freuen uns.