Der Hamburger Meister fährt Single Speed

„Der alte Hund“, damit meinte das Hamburger Abendblatt mich, als es einen wirklich guten Artikel über die Hamburger MTB-Meisterschaften in Buchholz veröffentlichte. Fühle mich zwar noch nicht alt und beißen tue ich nur manchmal, doch alle anderen Anspielungen trafen da voll ins Schwarze.

DSC08847.JPGDie RSG Nordheide hatte wieder alles aktiviert um den Buchholzer Stadtwald zur Norddeutschen MTB-Enklave zu machen und die Meister zu küren. Da konnte einem auch das typische Hamburger Regenwetter nicht stören, denn der Kurs ist und bleibt eine Macht. Hier haben Einsteiger richtig was zu tun und ich hatte auf dem Fully mächtig Spaß, denn die Abwechslung aus kurzen, wurzelige Abfahrten, den Kurven hinter den Büschen und den Wellen bergauf ist halt einfach geil.

DSC08961.JPGIch entschied mich für die Eliteklasse um hier die Vormachtstellung von Bergamont zu manifestieren. Es wurde in dem kleinen Starterfeld ein relativ überlegenes Rennen, da meine Mitstreiter zu spät zu sich fanden oder durch technischen Defekt gebremst wurden. Mich freute es erneut Hamburger Meister in der Elite zu werden und eine tolle Continental-Mütze zu gewinnen. Wie erkläre ich das Maxxis, meinen Reifensponsor?

Es tat mir schon etwas in der Seele weh, als ich alle Gegner in der ersten Startreihe sah. So wenig waren noch nie in Buchholz. Da auch die anderen Klassen nicht überfüllt waren, stellt sich zu Recht die Frage, was mit dem MTB-Sport bloß passiert ist. Während andere Veranstaltung (RTF, Cyclassics etc.) von Radfahren „überfahren“ werden, finden nur ganz weniger den Weg in die Natur und ins Gelände. Ich glaube die wissen alle nicht, wie viel Spaß das Biken abseits der Strassen macht!

DSC08970.JPGMit dem Titel im Gepäck ging es fast ins benachbarte „Ausland“, zumindest habe ich auf unserer Bachseite keinen deutschen Netzanbieter gefunden. Da wir nicht zum Surfen da waren, war es nebensächlich, denn die Strecke des EBM´s war das Ziel. Der älteste MTB-Marathon Deutschlands hatte im Seiffener Umland ein paar neue Passagen hinzugefügt, welche ich unbedingt erleben wollte. Es war der beste und schönste der vergangenen Jahre.

DSC08976.JPGIch schreibe das, obwohl es zwischenzeitlich gar nicht gut stand. Nach einem guten Start und einem Platz in der Verfolgergruppe ging es mit viel Zug, voller Motivation und reichlich Speed in Runde 2. Hier konnten wir mit Andi Weinhold zwar nur einen „Flüchtigen“ stellen, dennoch war nach vorne noch was zu holen. Nachdem aber die zweite Speiche riss, der Bowdenzug sich löste und das Schaltwerk in den Speichen verschwand, war Ernüchterung angesagt.

DSC09208.JPGAufgeben ist aber keine Alternative, so wurde mein Bergamont nach einer etwas größeren Basteleinlage ein Single Speed mit nur einem Gang. Steile Rampen gingen zwar so nicht mehr und flache Passagen sahen bei mir aus, wie eine Nähmaschine unter Vollgas, dennoch fuhr der Bock und die Kette hielt. Was allerdings geschah, war der Verlust einer Position. Ich wehrte mich tapfer, doch der letzte steile Anstieg war zu viel und ich musste laufen. Schade, aber dennoch erreichte ich als 8. Geamt und 1. meiner Altersklasse freudig das Ziel. Ich glaube der Streckensprecher kann sich das Kettekürzen immer noch nicht richtig erklären.

DSC09229.JPGDie Reise zum EBM hat sich gelohnt, da auch die Form wieder etwas zurückkommt. Fühlte sich alles gut an, so dass der Defekt mich nicht wirklich ärgerte. Evtl. waren es aber auch die Ansagen des Sprechers, welche mich zur Fröhlichkeit bewegten: „Das war ein ganz enger Einlauf bei den Damen“! Ich denke und hoffe er meinte den Zieleinlauf, den Zielsprint oder das Fotofinish etc.