Die Bike-TRANSALP 2016

Lange hatte ich mich gesträubt, doch Max Friedrich hat mich doch dazu bekommen mit ihm und dem Support von toMotion das Thema Alpenüberquerung in Renntempo anzugehen. Nun standen 7 Etappen mit 519km und 17.736Hm an. Die Orte zum Erholen waren Imst- Nauders- Scoul- Livgnio- Bormio- Mezzana- Trento- Arco, welche wir über sehr, sehr geile Strecken und teilweise fürchterlich lange Anstiege anfuhren, während der Betreuerstab über kurvige und enge Passtrassen musste. Mein Ziel war klar, denn ich bin Rennfahrer: Einmal Podium wurde angepeilt, denn mit Max hatte ich einen guten Partner.

Nach einer sehr seriösen Planung von Andrea, Uli und Max Eltern bzgl. Betreuung, nahmen wir voller Freude das Rennen auf. Am ersten Tag wusste man nicht wirklich wo man steht, weshalb vorne fahren immer eine gute Wahl ist. Dies gelang uns perfekt, denn zum Ende der Etappe überrollten wir alles und fuhren als zweites Master-Team ins Ziel. Mensch war das toll, schon am ersten Tag das Soll erfüllt. Da geht doch mehr war unsere Meinung um am zweiten Tag vom führenden Weltmeister-Team und zwei Bergflöhen aus Costa Rica geerdet zu werden. Platz 3 in der Tageswertung mit ordentlichem Rückstand.

Na gut, dann muss uns halt der dritte Tag nach vorne spülen. Dieser Tag wurde dann aber doch unser härtester Tag, da Max nicht richtig in Schwung kam. Ich kam zwar in Schwung, aber nur, weil ich es 5min. vorm Start noch schaffte mein Ersatzrad aus dem Auto zu zerren. Mit einem gebrochenen Bremshebel ist halt nicht gut Höhenmeter auf Bergpässen zu vernichten. So schrieben wir den Tag als Tagesvierter ab und genossen das ruhige Abendessen ohne Siegerehrung. Für die nachfolgenden Tage habe ich mal ein paar Tagesberichte eingefügt:
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20.07.16: Diesmal war unser Start in Livigno etwas entspannter, da jede Schraube nochmals vom Fachmann begutachtet wurde und somit ohne Hektik losgefahren werden konnte. Die 6km neutralisierte Phase kam uns auch zu Gute, so dass Max und ich vor der ersten Frau in der Berg fuhren. Ego gut, Beine gut! Wir kurbelten erneut unseren Stiefel den ersten Pass hoch. In der Ebene übernahm ich wieder die Führung und führte uns in eine schöne 6er Gruppe. In der folgenden Abfahrt griff unsere neue Taktik. Max mit Vollgas runter, während ich das Feld nach hinten absichere. So bleibt er in der Gruppe bis weit in den nächsten Anstieg und ich kann im Anstieg mein Tempo fahren. Am Schlussanstieg, irgendwie 1300Hm am Stück, fuhr ich erneut einen Vorsprung heraus um Max nicht aufzuhalten. Der Plan ging voll auf, trotz Platten bei Max, da unsere Betreuerin genau dort einen LRS bereit hielt. Im Ziel-Downhill griff ich dann noch ein Team an, um möglichst viel Vorsprung ins Ziel zu bringen. Es wurde der dritte Gesamtrang bei den Master und zusätzlich ein ordentliches Zeitpolster auf unsere Verfolger. Es war ein toller Ritt auf einer schönen Strecke nach Bormio.

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22.07.16: Tag des Handwerks in Italien! Eigentlich begann der Tag schön, denn die Dichtmilch wirkt auch bei 245er Breitreifen am Benz. Voller Zuversicht ging es in die 12km neutralisierte Phase. Da Karl Platt pullern musste, stoppte der ganze Tross. Ich verlor hierbei Max aus den Augen und knallte mit den ersten Masterfahrern in den Berg. Zu spät bemerkte ich, dass Max nicht mehr vor mir war! Zeitgleich wurde ich auch von anderen Fahrern informiert, dass Max mit nachpumpen beschäftigt ist. Kurze Zeit später nahmen wir die Fahrt aber wieder auf. Bis zu ersten Betreuung sammelten wir etliche Leute wieder ein. Uli gab uns dann nach 18km ein frisches Laufrad und die sportliche Fahrt ging weiter. Kurz vor der Passhöhe hatten wir das dritte Masterteam bereits eingeholt und ich hoffte nun auf etwas Entspannung! Leider ging die Hoffnung schnell flöten, denn Max war nicht mehr im Windschatten. Also umgedreht und Max beim Geradebiegen eines Kettenblattzahnes  geholfen. Danach lief es dann rund. Max tauschte zwar noch zweimal ein Laufrad, aber das brachte mich nicht mehr aus der Ruhe. Sobald er im Windschatten war ging die Tachonadel nie unter 30km/h, egal ob Gegenwind oder Gegenanstieg. Wer im Rennen basteln möchte, der muss die Zeit woanders rausholen. Die Zielgerade nahmen wir dann mit 45km/h, da sie nur leicht ansteigend war, um unseren Zeitverlust in Grenzen zu halten. Haben wohl nur 3 min auf unsere Rivalen von Rockymountain verloren. Puh! Ach ja, nun darf Max nochmals in Ruhe basteln.
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23.07.16: Letzter Tag der Transalp ist immer was Besonderes. Der Weg von Trento nach Arco war kurz, 52km, steil, da 1500Hm am Stück und nass. Diesmal vom Regen und nicht vom Schweiß! Wir kamen gut in Tritt und schlossen sogar auf das führende Mixteam auf. Natürlich überholte ich sofort, denn die Führung in meinem Leben kann ja nicht komplett von Frauen übernommen werden. Max sah das anders, denn er ließ sogar noch eine Frau vor. Als dann die richtig alten Männern noch vorbeizogen, musste ich bei Max Hand anlegen um unseren Vorsprung abzusichern. Der Plan ging auf, denn wir erreichten den Pass vor den Verfolgern. Die Abfahrt nahmen wir sehr vorsichtig, da rutschig und der Tag des Handwerks ja gestern war. Allmählich wurde uns bewusst, dass es jetzt doch der dritte Gesamtrang in der Masterklasse bei der Transalp sein wird. Nach Kilometer 52 war es dann Gewissheit, Max und ich stehen auf dem Podium. Ist schon ziemlich toll bei solchen internationalen Rennen das Podest zu besteigen.

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Mein persönlicher Dank geht erstmal an Petra, die ihren Urlaub für diesen Spass geopfert hat. Bergamont, Hayes, Maxxis, Sun Ringle, Magura, Abus  und Sram haben perfektes Material, da hier nicht ein Ausfall zu geklagten war. Mit Andrea, Uli und Max-Eltern hatten wir die besten Betreuer! Ohne deren Support hätten wir nicht mal unsere Nummern, geschweige den Rest auf die Kette bekommen! Mit toMotion läuft so eine sportliche Alpenüberquerung quasi von allein. Danke Andrea!

Nun trinke ich auf jeden Höhenmeter ein Bierchen!

Das war unsere erfolgreiche Transalp. Ich trinke immer noch auf die Höhenmeter und freue mich auf etwas Rennabstand. Wenn ich am Sonntag nicht arbeiten muss, dann geht es zur Helmut Niemeier-RTF. Es gibt schönere Anlässe als eine Gedenkfahrt, aber das bin ich und viele andere Helmut einfach schuldig.

Hier die neusten Bilder: always Vollgas

Jeder glücklich Zweiter, keiner mehr Verlierer!

Ja ich weiß, viele denken, der ist zu dämlich zum Gewinnen. Mag schon was dran sein, aber in diesem Jahr freue ich mich über meine Platzierung, denn damit hatte ich nie gerechnet. In den letzten Wochen musste das Training etwas in den Hintergrund rücken, denn Airbus benötigt momentan jeden Mann an Bord.

Da sind die abendlichen Einheiten eher von kurzer Natur, was bei einem Marathonfahrer nicht wirklich als Training verbucht werden kann. Zumindest rostet dann die Kette nicht ein. Mit wenig Hoffnung auf den Titel reiste ich in diesem Jahr nach Saalhausen zur Deutschen Meisterschaft im Marathon. Hatte schon Respekt vor der neuen Runde mit 108km und 2600Hm.

ADSC01749.JPGm Freitag konnte ich noch eine 30km-Schleife abfahren. Die Strecke war gut beschildert und der Untergrund sehr griffig. Neben einer ziemlich langen Steigung waren auch einige schöne Downhillpassagen eingebaut worden. Nach einer 10-km Einführungsrunde sollte eine 49-km Schleife zweimal absolviert werden, so dass uns auch die Betreuer an einem Punkt doppelt beglücken konnten.

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Wie immer bei einer DM war alles was Namen und Titel hatte am Start. Mir war klar, dass es ein schnelles, brutales Ausscheidungsfahren werden wird. So wie gedacht, ging es dann doch nicht los, dennoch zu schnell für mich. Schnell war ich in der 3. Gruppe und die ersten 5 Master 2 waren weg. Toll, fängt ja genau so an, wie ich es befürchtet hatte.

Nach der Einführungsrunde nahm ich mir ein Herz und zog mit dem ehemaligen Meister DSC01813.JPGMichael Anthes (Rocky Mountain) das Tempo an. In einem Gewaltakt fuhren wir das Loch zu den restlichen Master 2 Fahrern zu. Diese freuten sich nicht. Danach verlor ich bei jedem Tempowechsel die Gruppe um auf den Abfahrten das Loch zu schließen. Keine komfortable Situation um Kräfte zu schonen.

Im letztem Downhill der ersten Schleife konnte ich erneut bergab zwei Fahrer aus meinem Rennen distanzieren. Als diese auch nach dem letzten Anstieg nicht wieder bei mir waren, wuchs die Zuversicht mal etwas an Tempo zuzulegen. Ich gab also Gas und der Körper erinnerte sich an das Langstreckenvirus. Also quälte ich meine 1:1 Übersetzung (36:36) die giftigen Anstiege hoch und konnte 25km vor dem Ziel neben zahlreichen Elitefahrern auch den bisherigen Zweitplatzierten Michael einholen.

Motivation pur, denn der hatte letztes Jahr schon mein Trikot geklaut. Also mit Schwung vorbei und weg. Leider nicht ganz, denn er ekelte sich wieder ran. An einem Steilstück hatte ich ihn aber im Sack. Die restlichen 16km waren dann nur noch ein Einzelzeitfahren um den Platz zu sichern. Der Führende kam nie in Sichtweite, so dass ich glücklich und voll zufrieden als Deutscher Vizemeister Marathon Master 2 ins Ziel bog. Glückwunsch geht an Lars Lindemann / Rapiro zum Gewinn des Titels.

Glücklich und zufrieden schaue in nun zur Bike-Transalp, welche ich mit Max Friedrich bestreiten werden. Er schaffte im Sprint leider nicht den Sprung aufs Podium bei den Master 1, dennoch sind wir beide gut in Schuß um als Team mal die Alpen zu glätten.

Verfolgt die Fahrt der beiden bekloppten Ingenieure, welche Verpackungsmaschinen aus Fischertechnik bauen und Carbonlaufräder im Keller laminieren: toMotion Racing by black tusk/Bergamont

Die Deutsche Meisterschaft um die Kronjuwelen

In Görlitz wurden die Deutschen Meister auf der Strasse gesucht und gefunden. Bei mir ist der Bann gebrochen, denn ich bin nicht Vizemeister geworden. Also alles Gut? Nicht ganz, denn mit meiner Leistung war ich nicht zufrieden, der Rest war aber gut und Görlitz ist eine Reise, wenn auch weite, wert.

Für meinen Auftritt hatte ich mir den kompetentesten Betreuer geschnappt. Mit Marc Seekircher, einem Ex-Mechaniker aus dem Profiradsport, hatte ich schon auf der Hinfahrt reichlich Radsportdetails durchzusprechen. So fielen wir nach 4 Std. Anreise im Hotel direkt ins Bett um die Tour Etappe anzuschauen. Danach fuhren wir dann noch zwei Runden auf dem hügeligen DM-Kurs um EM-typisch beim Italiener zu speisen.

Ein perfekter Männertag, der auch am Sonntag gut startete (obwohl wir immer noch beim Italiener waren). Das Wetter war perfekt und der Kurs war toll. Eine 18km Runde mit etlichen Höhenmetern, gute Strassen und wenig gefährliche Stellen. Kein Wunder, dass das Rennen 81. Rund um die Landeskrone hieß.

Ich als Crosser bin immer erschrocken, wenn der Puls bis Kilometer 80 nicht wirklich zuckt. Als ich dann hätte zucken müssen, war die Spitze leider schon weg. Nachdem drei Eilige herausgefahren waren, war zwei Runden vor Schluß eine beherzte Attacke fällig, der ich leider aus der Mitte des Feldes nicht folgen konnte. In der letzten Runde versuchten wir zwar den Anschluss herzustellen, aber die Beine wollten nicht.

Auch über den letzten Berg bei 115km kam ich gut rüber, aber den Zielsprint aus unserer großen Gruppe um Platz 10 ließ ich aus, da nichts mehr ging. Ist schon komisch, dass man zu erst fast einschläft und am Ende auch nichts auf die Kette bringt. Nachdenklich ging es nach Hause, denn schon an diesem Wochenende folgt die Deutsche Meisterschaft im Marathon in Saalhausen. Bin gespannt, was das so wird. Eins ist klar, 80km mit Ruhepuls wird es nicht geben.

 …….und nun geht es ins EM-Finale