Endurothon in Schierke

Der Name Endurothon ergibt sich einfach aus der Strecke, denn eigentlich ist es eine Aneinanderreihung von Enduro-Stages, also wirklich schönen Downhillpassagen, die einem alles abverlangen. Dazwischen gibt es natürlich nur Bergaufstücke, denn wer runter will, muss noch mehr hoch.

Wir hatten uns für Schierke ein Männer-WoEn ausgesucht. So hatte die Anreise mit André Zamponi und Torben Saßnick am Freitag Klassenfahrtcharakter, denn in dem Stau begannen wir das Fahrbier zu uns zu nehmen. Mit einer Astra Rakete war der Rest der Tour bis Altenau schnell geschafft.

Am wahrscheinlich letzten sommerlichen Samstag dieses Sommers ging es für das Bergamont Factory Team auf drei verschiede Runden. André Kleindienst startete mit mir, allerdings nahm er die Heavy-Runde nur einmal, ich hingegen drei Mal. André Zamponi nahm die mittlere Distanz unter die Stollen. Alle waren guter Stimmung an dem herrlichen Tag am Fuße des Brockens.

Einige schnelle Leute waren dabei, so dass nach der neutralisierten Klapprad-Phase das Rennen voll entbrannte. Taktisch klug bog ich als erster in den steinigen Downhill mit voll geöffneten Federwegen meines Bergamont Fastlanes. Schnell hatte ich einen Vorsprung herausgerockt, als André K. pfeifend auf einer nichtexistierenden Fahrlinie an mir vorbeischoss. Erst im folgenden Anstieg waren wir zusammen mit Christoph und Felix zu viert und begannen die Alleinfahrt.

Na ja, also alleine war ich mit André K., während die anderen Beiden entspannt an den Bergen enteilten. Wir konnten zwar nochmals bergab die Lücke schließen, doch kurz vor dem berüchtigten Plattenweg war André K. nicht mehr in der Lage zu folgen. Ich schaffte den Anschluß erst wieder nach der ersten Zieldurchfahrt, um dann an den folgenden Bergen endgültig abgehängt zu werden. So nahm ich die restlichen 1.5 Runde als Solofahrt, bzw. Genußfahrt unter die Räder. Es ist einfach der pure Wahnsinn diese Abfahrten in Schierke runterzuhämmern.

Eigentlich zufrieden mit dem dritten Rang in der Herrenklasse freute ich mich schon auf die letzte Abfahrt, denn die machte wirklich Spaß, insbesondere nach gefühlten 600Hm am Stück auf dem Plattenweg. Doch da entdeckte ich Christoph vor mir, der wohl mit dem Material und mich sich selber kämpfte. Dankend nahm ich den geschenkten Platz an und pflügte nun als Zweiter durch die letzten Felsspalten.

So war es ein voller Erfolg für Bergamont, denn André K. gewann die Kurzdistanz, André Z. fuhr in die Top-Ten auf der mittleren Distanz und ich schaffte den Sprung auf Platz 2. Toll für uns, toll für Bergamont und toll dass die Duschen direkt am Auto waren. Nicht toll war eine Wartezeit auf die Siegerehrung von bis zu 5 (fünf) Stunden. Ich habe jetzt einen Sonnenbrand und Stress mit Petra, da sie nicht glauben wollte, dass man um 20.30 Uhr noch auf der Autobahn ist.

Jetzt ist erst mal Urlaub und dann geht es zur Deutschen Meisterschaft nach Furthwangen.

Vattenfall Cyclassics

Wir sind auf dem Weg nach Olympia und das nicht nur weil der HSV und St.Pauli gewonnen haben, sondern weil die schönste Stadt Deutschlands bei einer Radrennübertragung eine sehr gute Figur macht. So genoß ich das Weltcuprennen, wo der André seinen Sprint souverän gewann, vorm Fernsehen anstatt wie der Rest der Bevölkerung am Streckenrand zu stehen. Entschuldigt mein Fehlen am Waseberg, aber auf der Couch war es so schön.

Bevor ich aber auf dem Sofa zum Erliegen kam, war auch für mich etwas Sport angesagt. 155km entsprachen zwar 161km, aber im Kalkulieren waren die Hanseaten in den letzten Jahren nie so toll, was mir im Rennen aber nicht auffiel. Um 8:20 Uhr startete ich mit 500 Leuten aus Block A durch die Hafencity Richtung Köhlbrandbrücke. Das Tempo war wie immer: schnell fahren um dann mit einer Vollbremsung die Sinne der Fahrer aufzuwecken. Hatte sich aber alles schnell eingeschwungen und es ging relativ zivilisiert in den Anstieg. Obwohl ich nicht wollte, zog ich doch das Tempo an der Brücke an, oder wurden die anderen nur langsamer? Egal, denn flüchten, wie zwei andere Weggefährten, wollte ich nicht.

So ging es dann in schönem Tempo in die Harburger Berge, wo meine erste Trinkflasche wartete (Danke Rexe) um dann weiter durch das niedersächsische Hinterland nach Buchholz und Jesteburg zu fahren. Insgesamt war es eine angenehme Schleife, da das Wetter toll war und viele Leute an der Strecke standen, und das obwohl die Profis die südliche Schleife gar nicht fuhren.

Nach 90km ging es dann erneut über die Köhlbrandbrücke. Erneut ließen alle Ihre Beine hängen, so dass 19345 Leute bei mir im Windschatten fuhren. Wenn eine Person im Windschatten ca. 5% an Energieeinsparung für den Vordermann bewirkt, dann hätte ich theoretisch bei einem Krafteinsatz für 25km/h mit ca. 24.181 km/h über die Kuppe bügeln können und wäre dann ins Ziel geflogen. Da dies nicht so war, stelle ich auch die Theorie mit dem Windschatten und so in Frage.

Mir ist bei der ganzen Runde aufgefallen, dass die Veranstalter sich wirklich Gedanken um die Streckenführung im Detail gemacht haben. Scharfe Kurven wurden, so weit wie möglich, durch den Wechsel von Fahrbahnseiten, vermieden. Es gab keine Begegnungen mit anderen Starterfeldern und auch die Zieleinfahrt war ohne dramatisches Zusammentreffen zweier Geschwindigkeitswelten (55km-Runde = 25km/h; 155km-Runde = siehe oben 24.181Km/h).

Bevor es aber für uns ins Ziel ging, war noch die Schnelsener-Pinneberger-Wedeler-Elbhang-Runde zu drehen. Diesmal ließen die anderen nicht die Beine hängen, als ich am Kösterberg mal den Bergfloh machte. Schnell hatte ich eine Lücke und ich schoß in die Blankeneser Landstraße. Mir war natürlich klar, dass ich alleine gegen den Wind null Chance habe allein ins Ziel zu kommen. Dennoch gönnte ich mir den Spaß. Danach ging es dann gemeinsam dem Ziel entgegen. Wir hatten Jahre, wo die Zielankunft wirklich chaotisch war. Dieses Jahr war sie relativ schnell und wohl auch deshalb ohne große brenzliche Situationen. Schon am Rödingsmarkt fuhren wir in Einerreihe mit kleinen Lücken Richtung Mönckebergstrasse.

Ich habe überhaupt nicht mit einem Sprint für mich selber gerechnet, da es in der Vergangenheit eher ums nicht stürzen ging, so hob ich meinen Arsch nicht mal aus dem Sattel. Ich fuhr mein hohes Tempo bis zum Ziel durch und versenkte somit einige Leute, bei denen die Beine schwer wurden. Mit einer Sekunde Rückstand auf Daniel Knyss kam ich als 5. Overall und zweiter Senior 2 ins Ziel. Da war selbst ich sprachlos, denn mit dem Ergebnis hatte ich nicht gerechnet. Habe mich wirklich gefreut in meiner Stadt vorne dabei gewesen zu sein. Insgesamt war die Jubiläumsausgabe der Cyclassics mit die beste Auflage.

Das nächste Wochenende haben André Zamponi, Torben Saßnick und ich ein Männerwochenende. Es geht bereits am Freitag nach Altenau zum Malzbiertrinken um dann am Samstag den Endurothon in Schierke zu bestreiten. Werde damit mein Versprechen brechen dort nie wieder zu fahren, aber wer nett fragt und mir eine Dusche organisiert, den darf man dann auch nicht hängenlassen. Wir freuen uns.

Endlich wieder im Sauerland

Im letzten Jahr klappte es nicht mit dem Start in Grafschaft, aber in diesem Jahr. Ich freute mich natürlich, da es fast so ist, als wenn man nach Hause kommt. Man kennt jeden und bei allen sieht man die Begeisterung diese Veranstaltung zu ermöglichen. Auch gab es diesmal einige Neuigkeiten auf und neben der Strecke, was immer schön ist. Schon unsere alte/neue Unterkunft das Sauerland Alpin erstrahlte in neuem Licht und empfing uns herzlich.

Kurz vor dem Essen wollte ich auf meinem neuen Bergamont Prototypen noch eine Runde drehen. Das Rad wurde schon mal für die Marathon-DM zusammengeschraubt um hier technisch ganz weit vorne zu sein. Alles lief bestens, als ich auf dem Rückweg ein Weidegatter passieren musste. Hier schlug meine Dämlichkeit und das Tor zu. Das Scheißdreckstor brachte das Hinterrad zum Stehen und ich kippte seitlich gegen den Torpfosten. Der seitliche Schlag auf die Sitzstrebe war zu viel für den Carbonrahmen. Den Tränen nahe rollte ich zurück. Der nagelneue Rahmen war hin und ich am Boden zerstört.

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Auch am nächsten Morgen war meine Stimmung mies. Das Wetter hingegen war perfekt, so dass mich meine sportliche Leiterin zum Start drängte. Da ich noch mein Revox MGN mit hatte, war der Start auch problemlos möglich. Während die Einführungsrunde noch locker für mich war, kam im ersten langen Anstieg dann der Abschied aus der Spitzengruppe. Mathias Frohn (Gesamtzweiter) sagte später zwar, so langsam ist noch kein Marathon gestartet, das lag entweder an seiner guten oder an meiner mäßigen Form.

In der Verfolgergruppe hingegen fühlte ich mich wohl. Ohne Probleme ging es für mich und unserer 8-Mann Gruppe hoch und runter durchs Schmallenberger Umland. Irgendwann ging es dann mit mir durch und ich nahm die Berge von vorne, so dass ich mich mit drei Mitstreitern von der 59km-Schleife absetzen konnte. Als 5-ter Fahrer ging ich dann auf die zweite Runde, was mich schon etwas positiv überraschte. Nun hieß es nur noch auf den letzten 50km das Tempo hochhalten.

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Gefühlt gelang es mir auch, tatsächlich kam aber ein niederländischer Sportsfreunds herangerauscht. Freundlicher Weise nahm er mich mit und wir konnten unseren Vorsprung auf die Verfolger vergrößern. Leider war er aber auch am Berg stärker, so dass er bald außer Sichtweite war. Kurze Zeit später war er allerdings wieder da, da er wohl ein technisches Problem hatte. Dies erklärte er mir auch auf niederländisch, was mir nicht wirklich half. Und weg war er wieder.

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Am Ende wurde es auf der 109km-Schleife dann doch hart und ich sehnte das Ziel herbei. Die neuen Streckenabschnitte waren aber toll und sie müssen auch unbedingt im nächsten Jahr dabei sein. Als 6-ter bog ich ins Ziel ein. Da ich diesmal bei den Herren gemeldet hatte, wurde es der 4. Rang und somit knapp am Podest vorbei. Dennoch war ich mit dem Abschneiden mehr als zufrieden. Gerne bin ich auch im nächsten Jahr wieder dabei. Gewonnen hat Speedy Gonzales, die schnellste Maus von Mexiko. Wahrscheinlich ist er eher bekannt als Christian Kreuchler, aber wer zur Siegerehrung dieses Lied spielt, der hat zumindest meinen Humor getroffen.

Nächsten Sonntag ist mein Heimrennen, die Vattenfall Cyclassics. Nach meinem ersten Start vor 20 Jahren darf man natürlich zum Jubiläum nicht fehlen.

Wo man eigentlich nicht fehlen darf, ich aber wegen Urlaub fehle, ist der P-WEG. Deshalb verkaufe ich meinen Startplatzt über 93km. Will ich haben!

Der Hamburger Meister fährt Single Speed

„Der alte Hund“, damit meinte das Hamburger Abendblatt mich, als es einen wirklich guten Artikel über die Hamburger MTB-Meisterschaften in Buchholz veröffentlichte. Fühle mich zwar noch nicht alt und beißen tue ich nur manchmal, doch alle anderen Anspielungen trafen da voll ins Schwarze.

DSC08847.JPGDie RSG Nordheide hatte wieder alles aktiviert um den Buchholzer Stadtwald zur Norddeutschen MTB-Enklave zu machen und die Meister zu küren. Da konnte einem auch das typische Hamburger Regenwetter nicht stören, denn der Kurs ist und bleibt eine Macht. Hier haben Einsteiger richtig was zu tun und ich hatte auf dem Fully mächtig Spaß, denn die Abwechslung aus kurzen, wurzelige Abfahrten, den Kurven hinter den Büschen und den Wellen bergauf ist halt einfach geil.

DSC08961.JPGIch entschied mich für die Eliteklasse um hier die Vormachtstellung von Bergamont zu manifestieren. Es wurde in dem kleinen Starterfeld ein relativ überlegenes Rennen, da meine Mitstreiter zu spät zu sich fanden oder durch technischen Defekt gebremst wurden. Mich freute es erneut Hamburger Meister in der Elite zu werden und eine tolle Continental-Mütze zu gewinnen. Wie erkläre ich das Maxxis, meinen Reifensponsor?

Es tat mir schon etwas in der Seele weh, als ich alle Gegner in der ersten Startreihe sah. So wenig waren noch nie in Buchholz. Da auch die anderen Klassen nicht überfüllt waren, stellt sich zu Recht die Frage, was mit dem MTB-Sport bloß passiert ist. Während andere Veranstaltung (RTF, Cyclassics etc.) von Radfahren „überfahren“ werden, finden nur ganz weniger den Weg in die Natur und ins Gelände. Ich glaube die wissen alle nicht, wie viel Spaß das Biken abseits der Strassen macht!

DSC08970.JPGMit dem Titel im Gepäck ging es fast ins benachbarte „Ausland“, zumindest habe ich auf unserer Bachseite keinen deutschen Netzanbieter gefunden. Da wir nicht zum Surfen da waren, war es nebensächlich, denn die Strecke des EBM´s war das Ziel. Der älteste MTB-Marathon Deutschlands hatte im Seiffener Umland ein paar neue Passagen hinzugefügt, welche ich unbedingt erleben wollte. Es war der beste und schönste der vergangenen Jahre.

DSC08976.JPGIch schreibe das, obwohl es zwischenzeitlich gar nicht gut stand. Nach einem guten Start und einem Platz in der Verfolgergruppe ging es mit viel Zug, voller Motivation und reichlich Speed in Runde 2. Hier konnten wir mit Andi Weinhold zwar nur einen „Flüchtigen“ stellen, dennoch war nach vorne noch was zu holen. Nachdem aber die zweite Speiche riss, der Bowdenzug sich löste und das Schaltwerk in den Speichen verschwand, war Ernüchterung angesagt.

DSC09208.JPGAufgeben ist aber keine Alternative, so wurde mein Bergamont nach einer etwas größeren Basteleinlage ein Single Speed mit nur einem Gang. Steile Rampen gingen zwar so nicht mehr und flache Passagen sahen bei mir aus, wie eine Nähmaschine unter Vollgas, dennoch fuhr der Bock und die Kette hielt. Was allerdings geschah, war der Verlust einer Position. Ich wehrte mich tapfer, doch der letzte steile Anstieg war zu viel und ich musste laufen. Schade, aber dennoch erreichte ich als 8. Geamt und 1. meiner Altersklasse freudig das Ziel. Ich glaube der Streckensprecher kann sich das Kettekürzen immer noch nicht richtig erklären.

DSC09229.JPGDie Reise zum EBM hat sich gelohnt, da auch die Form wieder etwas zurückkommt. Fühlte sich alles gut an, so dass der Defekt mich nicht wirklich ärgerte. Evtl. waren es aber auch die Ansagen des Sprechers, welche mich zur Fröhlichkeit bewegten: „Das war ein ganz enger Einlauf bei den Damen“! Ich denke und hoffe er meinte den Zieleinlauf, den Zielsprint oder das Fotofinish etc.