Der Harz Cup in meinem Wohnzimmer

Nach zwei Vorläufen in Bad Harzburg und Hohegeiß kam der Harz Cup in mein Wohnzimmer nach Altenau. Renoviert hatte Christian Deike auch, denn den Marathon verlegte er mit leicht geänderter Strecke auf den Samstag um am Sonntag den Jungs mit 180mm Federweg ein Enduro-Event zu spendieren. So lässt es sich doch Leben, oder?

IMG_3472.JPGZur Einweihungsfeier am Samstag Morgen kamen allerdings noch etliche Nachmelder, so dass der Start um 15min. verschoben werden musste. So hatten wir noch genügend Zeit um wärmende Kleidung abzulegen, denn es wurde warm. Der Start der 80- und 120km-Runde war relativ gesittet, so dass wir mit einer großen Gruppe die ersten Anstiege bewältigten. An einem neuen Steilstück verabschiedete ich mich leider, da mein Hinterrad Luft verlor und ich nachpumpen musste.

Auf der Verfolgung hatte ich zumindest freie Sicht auf die riesigen Matschlöcher, welche zahlreich an den Oderteichen vorhanden waren. Der Rest der Runde war griffig und gut zu fahren, auch die Wurzelpassagen waren mit dem vollgefederten Rad kein Problem mehr. Nach 30km war die Spitzengruppe wieder in Sichtweite. Leider war der Luftdruck erneut nicht mehr da und ein erneutes Pumpen stand an. Ich schaffte dennoch bis zur ersten Rundendurchfahrt bei Kilometer 40 die zweite Verfolgergruppe zu stellen.

IMG_3903.JPGBei der Durchfahrt wurde dann kurz das Laufrad gewechselt und die Verfolgung aufgenommen. Zunächst wurde der Anschluß an die zweite Gruppe hergestellt um danach auf Danny Götze, Arne Vettermann und Jan-Hendrik Markworth aufzuschließen. Hier ging es dann in gesitterter Vierergruppe zügig über die zweiten 40 Kilometer. Ich ließ die anderen mal machen, da ich kurz verschnaufen musste. Danny gewann die mittlere Distanz und Jan Hendrik wollte uns wohl nicht mehr folgen. So kamen wir mit Arne wirklich nochmals in Sichtweite von  Peter Hermann und Roland Markworth, welche einsam im Doppelpack an der Spitze fuhren.

IMG_4218.JPGDer längste Anstieg brachte aber Gewissheit, dass die vorne nicht mit uns spielen wollen, denn wir verloren am Berg wohl 2min. Für uns ging es somit um Platz drei, was ja immerhin ein Podiumsplatz ist. Am Steilstück, wo ich in Runde eins die Luftpumpe schwang, war es um Arne und seine fehlende Übersetzung geschehen. Ich setzte also die Fahrt Richtung Ziel alleine fort und war mir schon ziemlich sicher als Dritter dort einzutrudeln, als erneut ein Platten meine Fahrt stoppte.

IMG_3562.JPGDer Wechsel ging zwar ziemlich schnell, aber der Vorsprung zu Arne war nicht groß genug. So kam ich mit zwei Defekten auf Platz 4 in der Gesamtwertung und als Sieger bei den Masters ins Ziel. Die veränderte Runde tat der Veranstaltung gut, auch wenn am Ende Fahrzeiten von über 5Std. auf der Anzeigentafeln stand.

Auch bei der ersten Enduro-Veranstaltung war das Bergamont Hayes Factory Team auf den Podium. André Kleindienst gewann vor unserem amerikanischen Downhill-Pro Ed Masters. War wieder eine Wochenende unter dem Motto: Schöner Wohnen in Altenau.

Nun ist etwas Ruhe bei mir, weshalb Euer Postkasten bis Willigen leer bleiben wird. Genießt die Bilder, welche diesmal von Markus Nothrof gemacht wurden, da Petra mir den Rücken in Hamburg frei hielt.

Das europäische Sauerland

Dass unsere niederländischen Nachbarn das Sauerland mögen war mir bekannt. Dass aber die Sauerländer eine offene niederländische Meisterschaft ausrichten, zeigt den europäischen Gedanken in einer Form, die nicht mal Helmut Kohl für möglich gehalten hätte. Diese Wahlwerbesendung ist von mir manipuliert und entspricht meistens nicht ganz der Wahrheit. Wählen solltet ihr aber trotzdem, denn beim Material tut ihr es ja auch.

DSC07830.JPGDas Wochenende in Saalhausen war schon lange geplant und das Maritim-Hotel in Grafschaft gebucht. Der Feierabend wurde um 14.00Uhr eingeläutet um evtl. vor Ort noch eine Runde zu drehen. Ich freute mich auf das Rennen und fuhr entspannt Richtung Elbtunnel. Von nun an wurde es einfach anders….Zunächst zählten wir die Kacheln im Elbtunnel um danach auch noch Dehnungsfügen der Autobahn hinzuzuaddieren (30cm pro Kachel und 250m pro Brückenabschnitt). Wir machten nach 1.5Std die erste Pause in den Harburger Bergen, also 26,7km nach dem Start.

Foto(6).JPGWir schafften es somit noch gerade rechtzeitig kurz vor 20.00Uhr die Startunterlagen zu holen. Auf dem Rückweg zum Hotel holte uns dann ein Unwetter ein, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Das Sauerland war in Sekunden weiß vom Hagel und in die dunkle Nacht donnerten die Blitze. Etwas fragend schaute ich mir die umgestürzten Bäume und Wassermassen auf der Landstrasse an. Wird morgen überhaupt ein Rennen gefahren? Und wenn ja, wie sieht die Strecke aus?

DSC07845.JPGDer nächste Morgen zeigte dann ein ganz anderes Sauerland. Es war zwar bewölkt, aber die Temperaturen waren o.k. Die Strassen waren abgetrocknet und der Rest der Bäume stand noch im Wald. Es konnte also losgehen. Ich wählte zwar die etwas wärmere Kleidung, dennoch sah es im Startblock eher nach einem Hitzerennen aus, denn manche Leute hielten kurz-kurz für angebracht.

Der erste Anstieg im nördlichen Teil der Strecke gab gleich Gewissheit, wer niederländischer Meister werden will. Peter Hermann (Firebikes) zog das lange Feld noch länger, bis eine Vierergruppe weg war. Dahinter folgten gleich die beiden schönsten Senioren im Feld. Klar, ich war dabei und Maxalami Friedrich, der seinen Teamkollegen von Firebikes nochmals das Thema Teamtaktik näher bringen muss.

DSC08115.JPGMit der Überquerung des Tales entledigte ich mich meiner Weste, denn das Tempo war hoch und mir war einfach warm. Nach nun gefühlten 1000Hm am Stück auf breiten Forstwegen war unser Schwung mit Max dahin und wir wurden eine 8-er Gruppe, welche aber teilweise die führenden noch sehen konnte. Das mit „in Sichtweite“ hörte spontan auf, als es anfing zu regnen. Was für ein Dreck. 16 Reifen werfen so viel Matsch um sich, dass man echt die Lust verlor länger im Windschatten zu fahren. In den Abfahrten merkte man dann aber, dass ein geschütztes Plätzchen einfach 10°C wärmer ist, als im Wind. Auf den Abfahrten wurde nun das Rennen entschieden, da die Kälte jetzt gnadenlos zuschlug.

Ich bog als 6. auf die letzten 40km. Da ein Niederländer direkt vor mir war, konnte ich am Berg noch Körner finden, die mich schnell einen Platz nach vorne beförderten. Platz 4 rückte nun in Sichtweite, als Ramses Bekkenk (klar, ein Niederländer) mit Defekt am Rand stand. Nun kommt aber das Podium schon näher dachten wir uns wohl beide, so dass wir gemeinsam das Tempo erhöhten. Aber immer mit einem Sicherheitsabstand von 100m. Kurz vorm höchsten Punkt wurden wir aber wieder von Ramses gestellt, so dass die Motivation Podium wieder im Keller war. Auf den letzten 15km wird die Strecke dann ziemlich fett. Hier wechseln sich Single-Trails, schöne Abfahrten und einige knifflige Downhills ab. Ich hatte Platz 5 für mich eingebucht und wollte nur noch heil ankommen, als plötzlich der Peter wieder vor mir auftauchte.

DSC08128.JPGSo, nun lag ich auf Platz vier und den letzten Podiumsplatz habe ich kampflos fahren lassen. Manchmal kann man sich auch selber ohrfeigen, aber mehr ging für mich nicht an diesem Tag. Ich war froh über die wasserfeste Hose und die Überschuhe, denn sie haben mir wohl diesen Platz beschert. Bin nun 4. der niederländischen Meisterschaft und als bester Deutscher Dritter bei den Männern. Das hört sich doch gut an. Im Ziel ging es für mich direkt mit dem Rad zum Hochdruckreiniger und dann in das vorgeheizte Auto. Muss wohl nicht erwähnen, dass das Preisgeld für Wiedergutmachungsaktionen bei Petra angelegt werden muss, denn sie stand dieses Wetter am Streckenrand durch.

Nach diesen Strapazen ist nun ein rennfreies Wochenende angesagt. Habe mir da was Besonderes ausgedacht, denn wir fahren zu einer Geburtstagseinweihungsparty……ins Sauerland.

Hier die neusten Bilder der Bergamont-Jungs: always Vollgas

So mag ich das….

DSC07527.JPGMan erwischt mich ja gerne mal mit Bemerkungen zu Rennveranstaltungen, wie: nur Forstautobahnen hier, nicht ein Single-Trail dabei, zig mal die gleiche Runde, Höhenmeter haben die hier komplett vergessen, keine geilen Abfahrten usw. Ja, das gibt es bei vielen Rennen, nicht aber beim Ruhr Bike-Festival in Wetter. Wer es nicht glaubt, der sollte einem erfahrenen Rennfahrer vertrauen und einmal den Marathon mit 50km fahren.

DSC07518.JPGIch freute mich zumindest darauf und packte auch nur das vollgefederte Fastlane Team ins Auto. Als wenn ein geiler Kurs nicht genug Motivation bringen würde, das Wetter mit strahlendem Himmel zog alle Starter in den Bann auf der Start-Aschebahn. Beim Einfahren am Morgen hatte ich mir bereits die ersten Passagen angeschaut, so dass ich wusste, wo man als erster ins Gelände gehen muss. Kurz vor der Geländeeinfahrt zog ich das Tempo an, öffnete alle Ölkammern der Dämpfer und schoß in den Trail. Unten war nichts mehr von den Verfolgern zu sehen, außer dem Rapiro-Fighter Alex Rebs, der etwas durchgeschüttelt Zuflucht im Windschatten suchte.

DSC07578.JPGAb Kilometer 2 das Ding von vorne zu fahren war nicht nur aussichtslos, sondern auch dumm. So ließen wir die Verfolger um Maxalami Friedrich und Mathias Frohn (Firebike Drössinger) und noch zwei Jungs aufschließen um gemeinsam einen spaßigen Samstag zu haben. Rechts um die Häuser, rein in den Trail, hoch über die Wurzeln um erneut hinterm Zaun in den Wald zu tauchen. Es folgten 48km mit ständigen Wechseln in Beschaffenheit des Untergrundes oder Steigungsprozenten.

DSC07730.JPGNach 30km gaben wir Mathias Frohn artig im Ziel ab, damit er seinen Wiedereinstieg ins Renngeschehen mit einem Sieg feiern durfte. Max und ich machten aber nun ernst und ließen die Verfolger zurück. Nun ging es Rad an Rad in jede Passage, wobei ich dem Herrn Friedrich einmal aus dem Bach helfen musste und ihn danach wieder auf den richtigen Weg brachte. Dafür pfiff er mich zurück, als ich mit brennenden Reifen quer durch eine Absperrung schoß. Mit anderen Worten, wir gaben es uns richtig.

DSC07637.JPGAls mein Tacho 48,745km zeigte, hoffte ich auf den finalen Anstieg, wo ich nochmals alles geben wollte. Dieser kam aber nicht, sondern nur eine Zick-Zick-Wiesenabfahrt, wo ich an Position zwei lag. Schlechte Ausgangsposition, wenn die Zielgerade nur 20m lang ist, schoß es mir durch den Kopf, als ich mich die beiden Hügel runterwarf. Von dieser Attacke war Max wohl etwas überrascht, denn er flog aus dem Pedal und ich gewann mit 10cm Vorsprung den Marathon. So mag ich das!

DSC07827.JPGAuch am Sonntag ging das Bike Festival in Wetter mit Erfolgen für das Bergamont Hayes Factory Team weiter. Das Cross Country Rennen am Morgen konnte ich mit einem beherzten Antritt in der Master 2 Klasse vor Klaus Reinisch (Rapiro) gewinnen. Auch Max bekam seinen Sieg in der Master 1 Klasse, so dass er auch glücklich nach Hause fahren konnte. Der Kurs war echt eine Herausforderung, denn auch hier lagen etlich Wurzeln im Weg und die Sprünge hatten es in sich, wenn man etwas zu motiviert ins Gelände schoß.

Im Feld der Elite gelang meinem Teamkollegen Ben Zwiehoff ein ganz großes Ding, denn er verwies unseren Worldcupfahrer Markus Schulte-Lünzum auf Platz 2. Respekt Ben, da bin selbst ich beeindruckt.

So, in der nächsten Woche geht es nach Saalhausen. 100km habe ich mir da vorgenommen, damit ich nicht wieder mit Klaus Reinisch um jeden Meter kämpfen muss. Hier die neusten Bilder der Bergamont-Jungs: always Vollgas